„Unsere Branche stemmt sich gegen die Krise“: Druckindustrie investiert weiter in Niedersachsen
Hannover. Trotz Konjunkturkrise und Bürokratiebelastung investieren die Unternehmen der Druckindustrie weiter in den Standort. Das zeigt das „Branchenbarometer 2026", eine Trendstudie des Verbands Druck Medien NordOst (VDMNO), die am Donnerstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. „Unsere Branche stemmt sich gegen die Krise. Wir können und wollen nicht mit unserer Produktion ins Ausland gehen”, sagte VDMNO-Geschäftsführer Philipp von Trotha. „Unsere Unternehmen sind vor Ort verwurzelt.”
Dem Umfrageergebnis zufolge erwarten zwar 40 % der Unternehmen eine Verschlechterung ihrer Lage innerhalb von zwölf Monaten, nur 17 % eine Verbesserung — trotzdem wollen fast drei Viertel der Betriebe investieren. Von Trotha nannte das angesichts der Ausgangslage beachtlich. Es mache deutlich, dass der Mittelstand sich trotz aller Herausforderungen nach wie vor klar zum Standort bekennt.
Größte Sorgen: Bürokratie und Berichtspflichten
Die lahmende Konjunktur liegt in der Liste der größten Sorgen der Unternehmen auf Rang zwei, die größten Schwierigkeiten bereiten die ausufernde Bürokratie und die Vielzahl und Komplexität der Berichtspflichten. 58 Prozent der Befragten nennen sie als problematischste Belastung.

Für mehr als jedes vierte Druckunternehmen spielen auch die hohen Energiepreise eine große Rolle. Hier sieht der Verband eine große Ungerechtigkeit zwischen großen Industriekonzernen und den mittelständischen Unternehmen, die auf den hohen Energiekosten sitzen blieben.
Bürokratie als Problem Nummer eins
Der Verbandsvorsitzende Martin Koschei übte in Hannover scharfe Kritik an politischen Maßnahmen wie der KUEBLL-Liste, mit denen einzelne Branchen bei Energiekosten entlastet werden sollen. Die Druck- und Medienbranche steht nicht mehr auf dieser Liste. „Die Politik hat sich in einem Netz an Sonderregelungen verheddert und kommt jetzt nicht mehr hinterher, zwischen all den Ausnahmeregelungen für Gerechtigkeit zu sorgen. Die Wirtschaft ist vollkommen überregelt”, erklärte Koschei. Wer gestern in Energieeffizienz investiert habe, werde heute dafür bestraft. Hinzu käme: Die Liste orientiere sich an einer Wirtschaftszweig-Einteilung von gestern, nicht an der Realität in den Betrieben.
Auch beim Thema Bürokratie sei der Mittelstand überproportional betroffen. Besonders belastet fühlen sich die Unternehmen vom Arbeits- und Datenschutzrecht (52 Prozent), von der Steuer- und Buchhaltungspflichten (40 Prozent), der EU-Verpackungsverordnung PPWR (38 Prozent), der Entwaldungsverordnung EUDR (31 Prozent) und dem Lieferkettengesetz (27 Prozent). Besonders deutlich zeigt sich hier ein Größeneffekt: Bei Kleinstbetrieben nennen 38 Prozent Bürokratie als Top-Belastung, bei Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten sind es 62 Prozent, bei 50 bis 249 Beschäftigten 75 Prozent. „Es sind die Betriebe, die zu groß sind, um von den ausufernden bürokratischen Regeln verschont zu bleiben, und zu klein, um sich dagegen zu wappnen – es geht um Personal, Know-how und Zeit. Im Bürokratie-Bingo der Verwaltung kann kein Mittelständler gewinnen", sagte Koschei.
„Chef und Leiterbeauftragter in einer Person“
„Die zentralen Herausforderungen für den Mittelstand liegen nicht in der Straße von Hormus oder in der Ukraine. Das Problem sind wir in Deutschland selbst”, sagte VDMNO-Geschäftsführer Philipp von Trotha. Die Druck- und Medienbranche sei der typische Mittelstand, über den viele gerne sprechen – der aber in politischen Entscheidungen viel zu oft vergessen werde. „Die öffentliche und politische Debatte spitzt sich stark auf große Stahlunternehmen, große Autokonzerne und deren große Zulieferer zu. Wir sind die vergessene Mitte des Bürokratie¬wahnsinns. Bei uns ist der Chef gleichzeitig Chef und Leiterbeauftragter in einer Person – der tagsüber das Team führt und abends noch mit einem Packen an Berichtspflichten am Tisch sitzt." Es müsse mehr Gerechtigkeit zwischen den mittelständischen Unternehmen und den Großkonzernen hergestellt werden, die das Problem der Berichtspflichten über zusätzliches Personal lösten.
Sorgen bereitet den Verbandsvertretern der spürbare Vertrauensverlust der Unternehmer in die Politik. Zwei Drittel der Unternehmen fühlen sich der Umfrage zufolge von der Politik nicht gehört. „Wer immer von Zusammenhalt spricht, muss auch in der Lage sein, sich in andere hineinzuversetzen. Die Politik darf nicht das Verständnis und den Zugang zum Mittelstand verlieren. Mittelstand ist keine Sonntagsrede. Mittelstand ist für Millionen Menschen ihre tägliche Arbeitsrealität", so von Trotha.
Der ausführliche Ergebnisbericht zum Branchenbarometer 2026 ist unter vdmno.de/branchenstimme abrufbar.
Über den VDMNO
Der VDMNO vertritt als Wirtschafts- und Arbeitgeberverband die Interessen der Druck- und Medienindustrie in Berlin, Brandenburg, Bremen und Niedersachsen. Er setzt sich gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine starke Wahrnehmung der Branche ein.
